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HISTORIE

Chronik des TSV "Jahn" Steeden
 
Am 16. Juli 1898 trafen sich 23 Männer aus Steeden in der Gaststätte Wirbelauer, um in öffentlicher Versammlung die Gründung eines Turnvereins für Steeden zu beschließen. Wie aus der Gründungsurkunde zu entnehmen ist, waren die jeweiligen Vorstandsämter als provisorisch zu betrachten, bis sie in einer für Oktober des Gründungsjahres einberufenen Generalversammlung nach Genehmigung der eingereichten Statuten bestätigt werden sollten.
 
Da zu den Statuten keine Unterlagen vorliegen, sei aus der Satzung des Turnvereins Jahn Steeden - Abschrift datiert vom 31.4.1931 - der §1 zitiert, der inhaltlich wohl der Präambel der Statuten von 1898 entsprechen dürfte.
1. Der am 16. Juli 1898 gegründete Verein führt den Namen Turnverein Jahn Steeden a.d.Lahn.
2. Der Zweck des vorstehend genannten Vereins ist die Förderung des Deutschen Turnens als eines Mittels zur körperlichen und sittlichen Kräftigung und die Pflege deutschen Volksbewußtseins und vaterländischen Gesinnung sichern.
3. Politische Parteibestrebung und Erörterung konfessioneller Fragen sind ausgeschlossen.
4. Der Verein ist Mitglied der Deutschen Turnerschaft; somit sind ihre Satzungen und die ihrer Unterverbände, denen er zugeteilt ist, für ihn verbindlich.
 
Im Verlauf der Gründungsversammlung wurden die Monatsbeiträge von 20 Pfennig für den Turner und 10 Pfennig für den Zögling festgelegt. Man einigte sich darauf, dem neu gegründeten Verein den Namen Turnverein Vater Jahn zu geben. Die erste Turnstunde, die wohl unter der Leitung von Peter Müller (1.Turnwart) und Christian Heep (2.Turnwart) stand, wurde auf Mittwoch, den 20.Juli, 20.30 Uhr festgelegt.
 
Der am 20. Oktober des Gründungsjahres im Verlauf der Generalversammlung gewählte Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
W. Kramp 1.Vorsitzender (geb. 1868)
H. Kramp 2.Vorsitzender und 1. Turnwart
F. Schmidt 2. Turnwart
W. Müller Schriftwart
W. Weidemann Kassierer
P. Kirchner Zeugwart

Aus den Versammlungsprotokollen die den Zeitraum von Juli 1898 bis Februar 1908 umfassen, sei auf einige Beschlüsse hingewiesen. Im Jahre 1900 wurde der Antrag gestellt, dem Turngau Lahn-Dill beizutreten. Der Beitritt wurde auf dem Gautag in Limburg am 15.Juli 1900 bestätigt. Ende des Berichtsjahres wurde die Anschaffung von Sprungständern, einer Kugel und eines Steines beschlossen. 1901 wurde die Deutsche Turnerzeitung abonniert, 1902 erfolgte die Bestellung von 30 Vereinsabzeichen; die Anschaffung eines Schleuderballes und eines Stabes für den Stabhochsprung sollen die Turnwarte in die Wege leiten. Zur Anschaffung einer Vereinsfahne wurde ein Fahnenfond bei der Königlichen Landesbank zu Runkel eingerichtet. Ferner wurde beschlossen, im Sommer ein Turnfest zu besuchen. "Bringen wir einen Preis nach Haus, so geben W. Kramp, Albert Kirchner, P. Müller, W. Müller und Paul Kirchner je 20 Liter Bier. Bringen wir keinen Preis nach Haus dann zahlt Heinrich Kramp den Wert von 20 Liter Bier in die Vereinskasse."
Leider fehlt in den folgenden Protokollen ein Hinweis, ob die angekündigte Bierspende preiserringend gewirkt hat oder ob der Vereinskasse der Betrag für 20 Liter zugeführt wurde.
Im Jahre 1904 wurde bei der Gemeindevertretung beantragt, die obere Platte für die Abhaltung der Turnstunden und Unterbringung der Turngeräte leihweise zur Verfügung gestellt zu bekommen. Im Sommer 1904 nahm eine aus sieben Turnern bestehende Vereinsriege am Turnfest in Elz teil. Eine Musterriege sollte am Kreisturnfest in Koblenz teilnehmen.
Es ist anzunehmen dass die Turnstunden im Sommer auf der Platte stattfanden. Für die Abhaltung der Winterturnstunden wurde seitens des Gemeindevorstandes das Gemeindezimmer zur Verfügung gestellt.
 
Anfang Februar des Jahres 1906 wird zur Anschaffung einer Vereinsfahne eine Fahnenkasse eingerichtet. Von jetzt ab sollen bei jeder künftigen Sitzung eine Tellersammlung durchgeführt werden, in den hiesigen Wirtschaften Sammelbüchsen aufgestellt und in der Gemeinde eine Spendenliste zirkulieren, um einen finanziellen Grundstock zur Anschaffung der Fahne zu bilden. Die erste Tellersammlung anläßlich der Hauptversammlung am 4.4.1906 erbrachte einen Betrag von 3,41 Mark.
Auf einer zum 15.9.1906 anberaumten Vorstandssitzung wurde der Beschluß gefaßt gegen den von der Gemeinde geplanten Bau eines Bockstalles in der Nähe des Turnplatzes "Verwahrung" einzulegen. Offenbar war die Lobby der Ziegenhalter stärker als die Gegenposition des Turnvereins, denn der Stall wurde gegen den Widerstand der Turner an der geplanten Stelle gebaut.
Zum Stiftungsfest am 25.8.1907 wurden die Turnvereine der Nachbargemeinden Runkel, Ennerich, Schadeck, Schupbach, Dehrn und Limburg eingeladen. Der Vereinswirt übernahm die Verköstigung der Musiker und aller Gäste. Er verlegte den Tanzboden und zahlte die Lustbarkeitssteuer. Bei sonnigem Wetter nahmen die Feierlichkeiten einen guten Verlauf. Der Reingewinn betrug 163 Mark; er wurde der Fahnenkasse zugeführt, deren Bestand nunmehr auf 230 Mark angewachsen war. Die Bestellung der neuen Vereinsfahne wurde anläßlich der Vorstandssitzung am 19.11.1907 beschlossen. Den Auftrag zur Herstellung und Lieferung der Fahne erhielt die Firma Tribian in Hann-Münden. Der Liefertermin wurde auf den 15.5.1908 zum Preise von 350 Mark festgelegt.
 
Im letzten Protokoll der vorhandenen schriftlichen Unterlagen von der Hauptversammlung zum 22.2.1908 wurde beschlossen, das Bezirksfest der Turner verbunden mit der Fahnenweihe am 21. und 22. Juni des Jahres - identisch mit dem nunmehr zehnjährigen Bestehen des Turnvereins Jahn Steeden - in der Aue abzuhalten. Um die Aktivitäten der Turner bei Turnwettkämpfen zu erläutern, muß darauf hingewiesen werden, dass in der Zeitspanne von 1880 bis 1913 innerhalb des Deutschen Turnerbundes der Gemischte Zwölfkampf durchgeführt wurde (erstmals im Jahre 1880 beim Deutschen Turnfest in Frankfurt Main). Er bestand aus je drei Übungen am Reck, Barren und Pferd (Pflicht und Kür) und drei von Turnfest zu Turnfest wechselnden leichtathletischen Übungen.
 
Es ist zu vermuten, daß die Turnerischen Aktivitäten bis zum Ausbruch des 1.Weltkrieges beibehalten wurden. Nach Aussage von Herrn Curt Kirchner, geb.1901, trafen sich Jugendliche während der Kriegsjahre zeitweise zu spielerischem Turnen abends in einem Klassenraum der Alten Schule, um sich in den wohl harten Kriegsjahren die Zeit zu vertreiben. Zu Beginn der Zwanziger Jahre konnte Hubert Kramp als Jugendturner (Alter 15-18 Jahre) an den wiederaufgenommenen Turnstunden teilnehmen. Zur Verfügung standen Barren, Reck und Pferd. Im Sommerhalbjahr diente die Platte als Übungsstätte, im Winterhalbjahr wurde der Saal der Gaststätte Höhn benutzt. Ein größerer Turnwettkampf fand unter Teilnahme einer Steedener Riege anläßlich eines Gauturnfestes in Dehrn statt (1924), an dem auch Hubert Kramp als bester Jugendturner des Jahn Steeden mitwirken durfte. Ende der Zwanziger Jahre reiften Überlegungen, eine Turnhalle zu bauen, die in eigenem Besitz und großräumig genug war, das Turntraining unabhängig von schlechten Wetterbedingungen, optimal durchführen zu können. Es bot sich die Gelegenheit, eine Baracke aus dem Gefangenenlager Diez, von der französischen Besatzungsmacht erbaut, zu erwerben. Die Holzkonstruktion wurde abgebaut, von Schreiner Nikolai aufgearbeitet, bzw. erneuert und unter Mitwirkung vieler Mitglieder auf dem vereinseigenen Gelände der Platte erstellt. Die Fachwerkfelder wurden ausgemauert und dadurch die Außenwände stabilisiert. Innenputz und Anstrich machten die neue Turnhalle wohnlich. Sie konnte 1930 Ihrer Bestimmung übergeben werden.
 
Um einen Einblick zu gewinnen, mit welch bescheidenen finanziellen Mitteln im Jahre 1930 der Turnhallenbau erstellt werden konnte, klicken Sie hier.
 
Im Jahre 1930 betrug die Anzahl der Aktiven und Fördernden Mitglieder 83; davon 44 Männer, 20 Frauen und 19 Zöglinge. Als 1.Vorsitzender wird Karl Heep genannt, als Trainer der Turnerinnen fungierte Wilhelm Simon. Die letzen Eintragungen im Stammbuch datieren vom 31. Januar 1935, unterschrieben sind die Beitragseintragungen von 3,60 RM pro Jahr für die Männer, 2,40 RM für die Frauen, von Wilhelm Müller als Kassierer und Karl Heep als 1.Vorsitzenden.